Die Spielregeln im Web ändern sich gerade fundamental – und diesmal geht es nicht um ein neues Google-Update, einen Algorithmuswechsel oder mobile-first-Indexing. Es geht um etwas Grundlegenderes: Wie Inhalte überhaupt noch gefunden und weiterempfohlen werden.
Denn immer öfter ist es kein Mensch mehr, der zuerst auf eure Website kommt. Es ist eine KI.
Perplexity, ChatGPT, Gemini, der neue Copilot in Windows – sie alle beantworten Fragen, empfehlen Produkte und zitieren Quellen. Wer dabei nicht vorkommt, existiert für einen wachsenden Teil potenzieller Kunden schlicht nicht. Das klingt dramatisch, ist aber gleichzeitig eine riesige Chance. Denn die meisten Websites sind auf dieses neue Paradigma noch gar nicht vorbereitet.
Als Craft CMS und Craft Commerce Agentur sitzen wir dabei an einer besonders guten Ausgangsposition – und warum das so ist, erklärt sich am besten mit einem kleinen Blick hinter die Kulissen der KI-Optimierung.
Warum Craft CMS hier strukturell im Vorteil ist
KI-Systeme sind im Grunde sehr wählerische Leser. Sie mögen keine Textwüsten, sie stolpern über schlecht strukturierten HTML-Code und sie verzweifeln an Seiten, die sich nicht entscheiden können, worum es bei ihnen eigentlich geht.
Craft CMS ist von Natur aus „Data-First": sauber strukturierte Inhalte, klar getrennte Felder, keine aufgeblähten Page-Builder-Artefakte. Genau das, was KIs lieben. Wir arbeiten also nicht gegen das System – wir müssen das System nur noch ein bisschen gezielt auf die neuen Anforderungen ausrichten.
Hier sind die vier Bereiche, auf die es ankommt:
1. Strukturierte Daten: Das Pflichtprogramm für alle, die online verkaufen
Stell dir vor, du rufst bei einem Restaurant an und fragst nach dem Tagesmenü. Du bekommst eine Stunde Unternehmensgeschichte zu hören, aber keine Antwort auf deine Frage. So geht es KI-Shopping-Assistenten, wenn sie auf einen schlecht ausgezeichneten Online-Shop treffen.
KI-gestützte Suchen wie Perplexity oder die in Browser und Betriebssysteme integrierten Shopping-Features lesen keine langen Produktbeschreibungen mehr, um Preise zu vergleichen oder Verfügbarkeiten zu prüfen. Sie greifen direkt auf strukturierte Daten zurück – konkret auf sogenanntes JSON-LD, ein maschinenlesbares Format auf Basis von Schema.org-Auszeichnungen.
Wenn die Entitäten Product, Offer, AggregateRating und Review nicht fehlerfrei im Quellcode eingebettet sind, findet das Produkt in der KI-Kaufberatung einfach nicht statt. Das ist kein Nice-to-Have mehr – das ist Grundvoraussetzung.
Der Craft-Vorteil: Über Craft Commerce und Plugins wie SEOmatic lassen sich diese Daten dynamisch und korrekt ausgeben, ohne dass Redakteure jemals manuell Code anfassen müssen. Die Daten kommen aus den Feldern, die sowieso schon gepflegt werden – wir bauen nur die richtige Ausgabelogik drumherum.
2. Die llms.txt: Eine Visitenkarte für KI-Bots
Wer sich noch an die frühen Tage der robots.txt erinnert, wird ein Déjà-vu erleben. Damals haben wir Suchmaschinen gesagt, was sie crawlen dürfen und was nicht. Heute brauchen KI-Systeme eine andere Art von Orientierung: Sie wollen wissen, was auf einer Website wirklich wichtig ist.
Das Format llms.txt (ein offener, wachsender Standard) ist eine schlichte Markdown-Datei im Website-Root, die in wenigen Abschnitten zusammenfasst: Wer ist dieses Unternehmen? Welche Seiten sind die wichtigsten? Wo finden sich die relevantesten Fakten?
Ohne so eine Orientierungshilfe greift die KI irgendwas. Manchmal die AGB aus dem Jahr 2019. Manchmal eine längst überholte Pressemitteilung. Mit einer llms.txt lenkt man den Fokus dorthin, wo er hingehören soll.
Der Craft-Vorteil: Anstatt eine statische Datei manuell zu pflegen, bauen wir eine dynamische Route in Craft. Ein Twig-Template zieht sich automatisch die aktuellen Meta-Beschreibungen der wichtigsten Sections – Produkte, Leistungen, Über uns – und generiert daraus eine stets aktuelle llms.txt. Einmal gebaut, kein Aufwand mehr.
3. Citable Content: Schreiben, das zitiert werden will
Hier wird es für Redakteure und Content-Verantwortliche besonders spannend – und manchmal auch etwas unbequem. Denn die Art, wie viele Unternehmen Texte schreiben, ist für KIs geradezu eine Qual.
KI-Systeme denken in Chunks – klar abgegrenzten Informationseinheiten. Sie wollen wissen: Was ist das Produkt? Was macht es besonders? Was kostet es? Was sagen andere darüber? Sie wollen keine Einleitungen à la „In der heutigen schnelllebigen Welt ist es wichtiger denn je…"
Wer die klarste, prägnanteste Antwort auf eine Frage liefert, wird von der KI als Quelle zitiert. Wer in Textbrei schreibt, bleibt unsichtbar.
Der Craft-Vorteil: Craft Matrix- und Neo-Felder eignen sich perfekt dafür, Redakteure sanft in diese Denkweise zu führen. Wir können dedizierte Inhaltsblöcke einbauen: eine „BLUF-Box" (Bottom Line Up Front – die wichtigste Aussage zuerst), ein „KI Fact-Sheet", Q&A-Akkordeons oder ein Feld für eine prägnante KI-Zusammenfassung. Das CMS wird damit zum Redaktionsassistenten, der gute Struktur quasi erzwingt – ohne Schulungen, ohne Druck.
4. Grounding Pages: Fakten für komplexe Produkte und B2B-Services
Wer komplexe Produkte oder erklärungsbedürftige Dienstleistungen anbietet, kennt das Problem: KIs halluzinieren. Sie erfinden Funktionen, die nicht existieren, verwechseln Modelle oder mischen Produkteigenschaften von Wettbewerbern zusammen.
Das liegt meist daran, dass es online keine verlässliche, klar strukturierte Quelle gibt, auf die die KI zurückgreifen kann. Die eigene Marketing-Website ist voll von Emotionen, Stories und Conversion-Elementen – aber arm an nackten Fakten.
Die Lösung sind sogenannte Grounding Pages: schlichte, extrem schnell ladende Unterseiten, die reine Fakten enthalten. Technische Spezifikationen. Klare Abgrenzungen zur Konkurrenz. Fehlerfrei strukturierte Informationen, die eine KI 1:1 zitieren kann.
Der Craft-Vorteil: Ein eigener Entry-Type – nennen wir ihn „Fact-Sheet" – mit einem minimalistischen Template (kein schweres CSS, kein JavaScript, kein Tracking-Ballast) und höchster Priorität in der Sitemap und der llms.txt. Für Redakteure klar getrennt vom normalen Content-Flow, für KIs die erste Anlaufstelle.
Was das für euch bedeutet
Ihr müsst nicht alles auf einmal umbauen. Die gute Nachricht ist: Viele dieser Maßnahmen lassen sich schrittweise einführen, und einige – wie die dynamische llms.txt – sind echte Quick Wins, die in wenigen Stunden umgesetzt sind.
Hier eine grobe Priorisierung:
- Sofort angehen (hohe Wirkung, geringer Aufwand): JSON-LD vervollständigen, llms.txt aufsetzen.
- Mittelfristig planen (hohe Wirkung, redaktioneller Aufwand): Content-Struktur überarbeiten, BLUF-Felder in Craft einführen.
- Strategisch evaluieren (je nach Geschäftsmodell): Grounding Pages für komplexe Produkte oder B2B-Angebote entwickeln.
Wir sind überzeugt: Die nächsten zwölf bis achtzehn Monate werden darüber entscheiden, welche Websites in der KI-Ära sichtbar sind – und welche im digitalen Rauschen verschwinden. Craft gibt euch die technische Grundlage. Wir sorgen dafür, dass ihr sie richtig einsetzt.
Habt ihr Fragen, oder wollt ihr wissen, wo eure aktuelle Website steht? Meldet euch – wir schauen es uns gemeinsam an.